Der Brandschutz wird smart

Künstliche Intelligenz (KI) macht auch bei Brandschutz und Brandbekämpfung nicht halt. Gebäude werden künftig über einen smarten aktiven oder vorbeugenden Brandschutz verfügen.

Autor Hendrick Lehmann, Fachjournalist

Künstliche Intelligenz wird die Brandbekämpfung und die Präventionsmaßnahmen zur Verhinderung von Feuern ebenso nachhaltig beeinflussen, wie das auch bei anderen sicherheitstechnischen Gewerken bereits der Fall ist. Algorithmen des maschinellen Lernens können riesige Datenmengen von Sensoren und historischen Brandereignissen verarbeiten, um Trends, potenzielle Gefahren und Bereiche mit höherem Brandrisiko zu erkennen. Daraus können KI- Systeme proaktive Planung und eine effizientere Zuteilung von Ressourcen zur wirksamen Minderung von Brandrisiken ermöglichen.

KI bei der Planung einbeziehen

Moderne Software kann eine zentrale Plattform für die Überwachung und Verwaltung von Brandschutzsystemen in Gebäuden oder sogar auf dem gesamten Gelände bieten. Durch die Analyse von Datenpunkten und Gebäudeinformationen kann KI Schwachstellen in der Brandschutzplanung aufdecken, die den Planern unter Umständen verborgen bleiben. Die Architektursoftware der Zukunft erstellt nicht nur begehbare 3D-Modelle, sondern übernimmt auch gleichzeitig die Brandschutzplanung, etwa bei der Planung von Brandabschnitten, der Festlegung von Widerstandsklassen von Wänden und Ähnlichem mehr. Somit lassen sich Simulationen von Brandszenarien entwerfen, und die KI optimiert die Planung der brandschutztechnischen Gewerke im Gebäude. Das ermöglicht es den Ingenieuren, Fluchtwege, die Platzierung von Brandschutzvorrichtungen und Evakuierungspläne zu optimieren.

Auch die Gebäude selbst werden hinsichtlich ihrer Materialien immer brandsicherer. Nanomaterialien können eine Brandausbreitung verhindern, indem sie in einen feuerfesten Modus „wechseln“. Neuartige Beschichtungen und Dämmmaterialien verringern ebenfalls das Brandrisiko.

Intelligente Sensoren senken Risiken

Intelligente Sensoren wie Brandmelder sind in der Lage, verschiedene Umgebungsparameter zu überwachen und die frühesten Anzeichen eines Brandes zu erkennen. Diese Sensoren können nicht nur das Vorhandensein von Rauch oder Hitze erkennen, sondern auch Veränderungen der Luftqualität, Temperatur und Luftfeuchtigkeit und vermitteln so ein umfassendes Verständnis des Brandrisikos. Entscheidend ist, dass die Sensoren in Echtzeit kommunizieren und die Daten nicht nur an eine Brandmeldezentrale schicken, sondern dass sie auch zur weiteren Analyse genutzt und ausgewertet werden.

Dank der IoT-Fähigkeit (Internet of Things – Internet der Dinge) aller Gewerke und der fortschrittlichen Datenanalysen ändert sich auch die Art der Wartung und Instandhaltung von Brandschutzsystemen. Die Echtzeitüberwachung sorgt für die frühzeitige Erkennung von Problemen oder Mustern, die auf eine baldige Überprüfung hindeuten können. Brandschutzkomponenten lassen sich dadurch effizient und kostengünstig verwalten. Durch die Analyse von Daten über Systemleistung und Nutzungsmuster können Einrichtungen ihre Brandschutzstrategien insgesamt effizienter und nachhaltiger gestalten.

Brandbekämpfung entwickelt sich weiter

Nicht nur der bauliche und technische Brandschutz entwickelt sich weiter, auch die Feuerwehren setzen auf Digitalisierung und Vernetzung. Immer öfter kommen bei der Ausbildung digitale Löschübungen zum Einsatz, in denen mittels Virtual Reality realitätsnah mit voller Ausrüstung Brände gelöscht werden. Auch Fahrsimulationen mit Löschfahrzeugen zu Trainingszwecken sind keine Seltenheit mehr. Ebenso setzt sich die mobile Digitalisierung durch.

Mittels spezieller Feuerwehr-Apps sind Einsatzkräfte in der Lage, im Ernstfall schnell relevante Informationen einzusehen, darunter Atemschutzüberwachung, eine Hydrantenkarte, Gefahrgüter und Rettungsdatenblätter. Letztere sind etwa bei Verkehrsunfällen wichtig, da hier die technischen Daten von Fahrzeugen hinterlegt sind.

Brandrisiken minimieren

Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und das IoT sind auch beim Brandschutz nicht mehr wegzudenken. Insbesondere bei der Brandschutzplanung lassen sich durch KI und Datenanalysen Zeit und Geld sparen, wenn die Gewerke im virtuellen Raum vorab hinsichtlich ihrer Effektivität getestet und simuliert werden. Die vollständige Vernetzung aller IoT-Geräte – nicht nur jene, die explizit dem Brandschutz zuzuordnen sind, sondern auch alle anderen, die Daten liefern – ergibt künftig ein vollständiges Bild aller brandschutztechnischen Risiken, einschließlich des Nutzerverhaltens. Gebäude werden dann wirklich „smart“, sie verwalten sich und ihre Technik quasi selbst und tragen aktiv dazu bei, das Risiko von Bränden zu minimieren.


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